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Selber Wald, andere Uhrzeit

Kolumne: Berühmte letzte Worte - verbinde

der Kessel #2: die Anderen

  • Selber Wald, andere Uhrzeit von: JamesVermont
    lesbar: Lesezeit: 2 Min.

    Die Nacht ist lau, aber trotzdem ist mir ein wenig kühl. Der Mond strahlt in seiner vollen Weiblichkeit und die Flammen des Lagerfeuers schlagen so hoch, als würden sie die Sterne küssen wollen.

    Die Besucher*innen des Festes haben auf Grund der Feuerhitze ihren Sitzplatz weiter nach außen gerückt – wie gut: denn nun ist mehr Platz für die Tänzer und Tänzerinnen. Diese bewegen sich im Rhythmus mit wildem Blick, als sei ihr menschliches Dasein nur noch anatomischer Natur. Die Wiese vibriert fühlbar unter meinen nackten Füßen und von meiner Stirn tropft der Schweiß. Meine Oberarme brennen und die Rahmentrommel in meiner Hand fühlt sich an wie eine Geliebte nach dem Liebesspiel. Bäume, Berg und Wesen ringsum sind verbunden mit dem Fest und mit mir. Alles scheint durchdrungen von

    Bewegung und Klang, Mondlicht, Feuer und Ekstase. Ich atme tief durch, suche mir eine Lücke im Takt und setze ein und helfe dabei, den Pulsschlag des Festes in die Höhe zu treiben.
    Die Nacht ist warm, die Mondin zeigt ihre schlanken Kurven, die Grillen machen Party und sogar das eine oder andere Glühwürmchen hat sich dem angeschlossen. Das Knacken des Feuers ist so laut, dass es aus dem hochstämmigen Buchenwald widerhallt. Er ruft mich schon eine Weile. Meine Trommel sitzt in ihrer Transporttasche und schmollt – ich seufze ihr zu. Abseits der Menschen am Lagerfeuer stehe ich und rauche meine Zigarette. Nichts war heute Abend passiert. Oohhh, und es ist nicht so, als hätte ich keinen Versuch unternommen. Die Gesprächslast der Gäste liegt bleiern auf der Stimmung des Festplatzes. Viele Besucher sind bereits schlafen gegangen – dabei ist es erst kurz nach Mitternacht. Jetzt wirkt das Gemurmel der Feuerrunde auch auf mich einschläfernd – kaum jemand lacht. Das Methorn kreist schon längst nicht mehr. Gespräche sind wichtig, gerade die tiefgehenden. Aber das macht man doch bei Tageslicht. Oder? Ich seufze leidenschaftlich und gebe endgültig dem Drang nach, in den Wald zu verschwinden. Hier fühle ich mich gut aufgehoben. Wäre ich eine Katze und wären Katzen dazu in der Lage, würde ich meine Schnurrhaare an den Blättern und Zweigen entlangstreichen lassen, nur um noch mehr von meiner Verbindung zum Wald zu fühlen. Und das, obwohl ich hier fremd bin.

    Ich lasse mich auf dem Körper eines gefallenen Baumes nieder und strecke mich kurz danach darauf aus – auch wenn es unbequem ist. Mein Blick versinkt in den Kleidern der Nacht und die wäldliche Ruhe wird nur von dem Knacken des Lagerfeuers durchbrochen und einem seltenen, gedämpften Lachen. Dort hinten sitzen die Anderen. Einsamkeit umfängt mich. Denn die Anderen sind nicht da, wo ich jetzt bin.

     

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    Gelesen 711 mal
    Letzte Änderung: 13. Mai 16
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    JamesVermont

    JamesVermont lebt mit seiner Familie in Ebenthal in Kärnten in der Nähe von Klagenfurt Wörthersee. Er wurde im April des Jahres 1981 geboren, arbeitete 17 Jahre bei einem Mobilitätsunternehmen und begann ab 2002 sich für die spirituell-magische Gemeinschaft zu engagieren, indem er Events Organisierte. Seit Mai 2015 arbeitet er aktiv an der Zeitschrift "der Kessel", dessen Herausgeber er nun ist.

    Webseite: www.jamesvermont.at/

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