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Der Weltuntergang war sau fad

Kolumne: Berühmte letzte Worte – handle!

  • Der Weltuntergang war sau fad
    lesbar: Lesezeit: 2 Min.

    Der Weltuntergang war langweilig – so sagten viele anno 2012. Aber immer wenn es besonders ruhig ist, sollte man besonders wachsam sein – denn dann liegt bekanntlich etwas im Argen. Doch wie laut es seit dem Weltuntergang geworden ist, fällt niemanden mehr auf. Es hat ja keiner Zeit!

    Die Zeitenwende, der Aufstieg, 2012, war ein großes Thema, als ich zum ersten Mal in einem Zirkel war – anno 2003. Damals dachten wir wirklich, die Zivilisation würde sich in einem bürgerkriegsähnlichen Szenario selbst vernichten, und wir begannen, uns darauf vorzubereiten. Wir haben keinen Garten gekauft um Selbstversorger zu werden, nein, wir haben angefangen, unsere Sinne zu verfeinern und an magischen Techniken zu arbeiten. Für wen das jetzt unlogisch klingt, der hat vermutlich kein magisches Weltbild. Dieser Zeitenwechsel war eine Vision, der wir gefolgt sind, gegen die wir aber auch angekämpft haben: Niemand wollte einen Bürgerkrieg.

    Womit ich damals begann war, die Suche nach Anzeichen für diesen „Aufstieg in eine höhere Dimension“ zu suchen. In meiner naiven Neugier habe ich mir somit beigebracht, die Zeitqualität zu beobachten und gesellschaftliche Veränderungen wahrzunehmen.

    Wie für jeden Hexenzirkel typisch, zerfiel selbiger nach ein paar Monaten. „Die Magie der leeren Hand“ und das Beobachten der Zeitqualität begleiten mich bis heute, gepaart mit dem Wunsch, diese Welt zu verändern. Wie gesagt, ich bin naiv und hey, in den 00er Jahren sah es richtig gut aus!

    Einer meiner Referenzpunkte (ich habe mehrere) waren die homosexuellen Menschen in meiner zweiten Heimat, den Clubs und Discos. Die Streetparade und der Lifeball in Wien waren in dieser Zeit richtig bunt-groß und einige Menschen hatten das Gefühl, sich und ihre Sexualität nicht mehr verstecken zu müssen – eingetragene Lebenspartnerschaften war zum Greifen nahe.

    Irgendwann flaute diese Euphorie ab und man hatte das Gefühl, sexuelle Ausrichtung sei kein Aufreger mehr. Wenn ich seit 2012 etwas gelernt habe, dann, dass dieses Gefühl Zeichen einer bevorstehenden Krise ist. Das Pendel schwingt zurück. Wo vor 2012 Hoffnung war, ist nun Angst. Angst den Job zu verlieren, und damit auch alles, was ein gutes Leben ausmacht.

    In den wenigen Clubs verwaschen die Menschen zu einer grauen Masse – die zwar tut, was sie schon immer getan hat, aber die Buntheit, das Extrovertierte, ist abhanden gekommen. Beobachte ich die Teens von heute, finde ich keine offensichtlichen Mitglieder einer Subkultur mehr. Diesen Druck hin zum Konformismus finde ich bedenklich.

    Und ich glaube, es war doch nicht verkehrt, mich aus einer damaligen ideologischen Verirrung heraus auf finstere Zeiten vorzubereiten. Wir sind in einer Zeit angekommen, in der sich jederzeit alles ändern kann. Einer Zeit, zu handeln.

    Bilder

    Titelbild: JamesVermont (aufgenommen: 02.2013)

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    Gelesen 256 mal
    Letzte Änderung: 03. Jul 17
    JamesVermont

    JamesVermont lebt mit seiner Familie in Ebenthal in Kärnten in der Nähe von Klagenfurt Wörthersee. Er wurde im April des Jahres 1981 geboren, arbeitete 17 Jahre bei einem Mobilitätsunternehmen und begann ab 2002 sich für die spirituell-magische Gemeinschaft zu engagieren, indem er Events Organisierte. Seit Mai 2015 arbeitet er aktiv an der Zeitschrift "der Kessel", dessen Herausgeber er nun ist.

    Webseite: www.jamesvermont.at/

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